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Liebe Leute, ich werde hier meinen Thread zu Ökofaschismus rüber kopieren. Ausgangspunkt ist dieser Auftritt von Frau Schneider bei Meischberger, wo sie meint statt Klimakrise bekämpfen soll man sich anpassen. Das ist ein Problem. Ich erkläre warum twitter.com/maischberger/statu

Es musste so kommen. Die Klimakatastrophe als “unvermeidlich” akzeptieren ist ein qualitativ wichtiger Schritt. Von “naja wird nicht so schlimm” zu “Huch, jetzt ist es so” geht es schnell. Das ist gefährlicher als es scheint und öffnet ein Einfallstor für die extreme Rechte. Kurzer Exkurs

Frau Schneider erklärt, dass die Bekämpfung eine Sackgasse ist und man sich jetzt lieber auf Anpassung konzentrieren soll. Sie kreiert damit eine falsche Dichotomie. Als ob nur eines ginge, als ob nicht beides längst passieren würde. Darum geht es nicht, sondern, das zeigt die seltsame Obsession mit Luisa Neubauer, es geht darum jene zu diskreditieren, die die Klimakrise bekämpfen. Der Subtext ist: die bringen nix weiter, wir brauchen jetzt realistische Antworten statt diesen Träumern. Ich hab die Lösung.

Was bedeutet es aber die Klimakatastrophe als “unausweichlich” zu akzeptieren und den Fokus auf Anpassung zu setzen? Nun, ich kann eine Vorschau geben was es politisch für die extreme Rechte bedeutet - es ist nämlich genau das Einfallstor, das sie brauchen.

Die extreme Rechte hat kein tragbares Konzept zur Bekämpfung der Klimakatastrophe. Nichts. Es passt nicht in ihre Ideologie. Kein Bezug, kein Konzept. Vor ein paar Jahren habe ich was dazu geschrieben. moment.at/story/warum-sind-rec
Leugnung und dann die Relativierung sind also die Strategien. Gibts nicht, ist nicht so schlimm, hat es immer gegeben. Und der Gegenangriff gegen die, die was machen. Klima-RAF und so weiter. Soweit, so bekannt. Diese Position ist aber mit fortschreiten der Krise nicht zu halten.

Das bringt sie in eine Zwickmühle, weil ernstliche Bekämpfung der Klimakatastrophe wurde ein globales Denken voraus setzen und würde bedeuten erst auf die besonders betroffenen Gebiete im globalen Süden zu schauen. Und Prioritäten ändern. Das geht nicht zusammen.
Also wird Folgendes gemacht: die Klimakatastrophe wird als unausweichlich akzeptiert und sogar affirmiert. Dieser Strang des Neofaschismus nennt sich “Ökofaschismus” (jaja ich weiß, im Deutschen gern als Diffamierung gegen Klimaschützer verwendet)

Dieser Ecofascism will nicht die Klimakatastrophe bekämpfen, sondern ihre Auswirkungen autoritär und faschistisch bewältigen. Die ideologische Legitimation: metaphysische Aufladung der Natur. Natur als Wert an sich. Der Mensch nicht als Teil der Natur, sondern als “Parasit”.
Dementsprechend ist es in diesem Denken gar nicht schlecht, wenn “die Natur sich wehrt” und die Menschen los wird. Hier gibt es eine Obsession mit Geburtenraten und Überbevölkerung. Es geht darum, dass es unausweichlich ist, dass viele Menschen sterben, es geht nur darum wer.

Eine Akzeptanz u sogar Affirmation bedeutet, dass man sich im nächsten Schritt auf Verteilungskämpfe einstellt. Das tut die extreme Rechte. Auf der ideologischen Basis des Ecofascism geht es ganz konkret darum, d ca 500 Millionen- 1 Mrd Menschen überleben können/sollen. Europa+.
Hier greifen Ecofascism “großer Austausch” und “Great reset” in einander: Damit Europa (= die “Weißen”) überlebt, müssen (!) die Anderen sterben. Ein weltweiter Verteilungs-Endkampf entlang von imaginierter “Rasse” und Kultur. Faschismus ist ein apokalyptischer Todeskult.

Ich kann das jetzt noch weiter im Detail ausführen, aber ihr bekommt eine Idee. Die Bedingung, dass dieses Denken groß wird ist, dass breit akzeptiert ist, dass man nichts mehr tun kann und es jetzt nur noch drum geht sich selbst zu retten, weil man nicht alle retten kann.
Es klingt zu absurd, zu apokalyptisch, zu gewalttätig, zu faschistisch als dass es mehrheitsfähig wird? Ich möchte diese Theorie ehrlich gesagt nicht austesten. Flüchtlingskrise und Pandemie haben gezeigt wie dünn die Schicht der Zivilisation ist.

Wichtig ist die Vorbedingungen nicht zu legen. Wer vermittelt, dass es “schon vorbei” ist und es jetzt nur noch drum geht, dass man selbst (das eigene Land etc) möglichst glimpflich davon kommt, gibt nicht nur ganze Teile der Welt auf, sondern öffnet auch das Tor für autoritäre Lösungen.
Danke fürs Lesen.

@Natascha_Strobl Vielen Dank für's Aufzeigen! Das kann gar nicht genug verbreitet werden.
Hier in D sehe ich das so, dass #Energie und #Klimakrise das "next big thing" für die hiesigen Blaubraunen sein werden.
Dagegen hilft nur, frühzeitig aufzeigen und aufklären.

@Natascha_Strobl

Vielen Dank und so klar und deutlich verbunden, hatte ich es noch nicht in meinem Kopf.

@Natascha_Strobl Danke dafür, sehr erhellend. Vielleicht ergänzend dazu: viele neoliberale Ideen bieten super Anknüpfungspunkte für die radikale Rechte. Z.B., nicht mehr präventiv aktiv zu werden, sondern "Resilienz" zu trainieren. Da gibt es m.E. auch einen Paradigmenwechsel bei der globalen Katastrophenhilfe. Irgendwie individuell oder regional fertig werden mit dem kollektiven Schlamassel und dabei am Besten lächeln.

@GrzegorzWA66 @Natascha_Strobl Klingt nach dem Pandemie-Pakt zwischen Libertären und Rechtspopulisten, welcher der Solidarität unter dem Schlagwort "Eigenverantwortung" das Genick gebrochen hat.

@GrzegorzWA66 @Natascha_Strobl Dieses 'Resillienz trainieren' machen mittlerweile gerne Unternehmen. Arbeitsbedingungen werden schlechter, Hauptsache wie sind resilient.

@Natascha_Strobl
Es ist der Horror, was da auf uns zu kommt. Wir brauchen mehr Aufklärung (danke Dir sehr für Deine!) und solche Menschen dürfen nicht immer wieder in Talk Shows eine Bühne bekommen, Mensch nochmal!

@Natascha_Strobl
Das gleiche Muster sehe ich bei der Relativierung von Putins Vernichtungskrieg gegen die Ukraine.
"Es ist zwar unschön, was Putin macht, aber wir sollten uns nicht in den Krieg hinein ziehen lassen, weil das unsere Interessen gefährdet.
Ändern lässt es sich nicht mehr und die Ukraine hat ja eine Mitschuld."

@Natascha_Strobl
Ich bedaure es sehr, dass wieder ein guter Begriff den rechten Extremen und Krampfschwurblern überlassen wird.
Haltungen und Massnahmen an eine gegebene Situation anzupassen, heisst flexibel und situationsgerecht damit umzugehen.
Es heisst auf keinen Fall Bunker und Mauern zu bauen, damit man darin und dahinter gemütlich zusehen kann, wie der Rest der Welt vor die Hunde geht.

@Natascha_Strobl Danke für die Analyse! Falls Sie es nicht eh schon gelesen haben: Dieses Jahr ist das Buch „Klimarassismus“ von @MatthiasQuent et al herausgekommen.

@Natascha_Strobl Uff…klingt düster. Mir macht da aber die Struktur unserer Gesellschaft etwas Hoffnung. Wir haben mehr alte als jüngere Menschen. Faschismus ist eher für Männer um die 40-50 Jahre anziehend. Von denen gibt es sowohl europaweit als auch in Deutschland nicht so viele weil die 70er und 80er Generationen sehr klein waren. Wenn es kommt, dann weilt es deswegen hoffentlich nur kurz.

@u_saurus
Also hier in Brandenburg ist die AfD sehr stark bei den Jungwählern.
@Natascha_Strobl

@Natascha_Strobl kleiner Tipp:
Wenn Antworten in einem Thread als 'nicht gelistet' markiert werden taucht nur der erste Post in der Timeline der Follower auf.
Durch klicken/tippen auf den ersten Post wird dieser fokusiert und zeigt die restlichen Teile an.
Hilft z.B. wenn jemand mal keine Zeit/Lust hat einen ganzen Thread zu lesen -> es muss nicht über alle Antworten in der Timeline gescrollt werden.

@mkroehnert danke! Haben mir auch andere schon gesagt, werde ich so machen. Wo kann ich denn “nicht gelistet” einstellen?

@Natascha_Strobl@wien.rocks Zusammenfassung also in etwa, sie sorgen sehenden Auges dafür, dass es nicht mehr genug für alle gibt, indem sie die Klimakrise nicht bekämpfen, und wollen dann dafür sorgen, dass Menschen, die sie aus faschistischen Gründen als weniger wert ansehen, ausgesiebt werden :(

@Natascha_Strobl Kollapsbewusste Menschen machen schon lange darauf aufmerksam, dass eine der größten Gefahren darin besteht, den #Kollaps allein den Rechten zu überlassen. Linke, Wissenschaft und Medien ignorieren dieses Thema konsequent und diffamieren Menschen, die sich schon lange für solidarische und linke Kollapsnarrative einsetzen. Hier muss dringend Selbstkritik betrieben werden. Eine solidarische Vorbereitung auf den #Kollaps schließt Klima-/ Umweltschutzmaßnahmen zwingend mit ein.

@Natascha_Strobl
Leider. Ja. :(
Und „Augen zu“ ist keine Lösung.
Danke für „Augen auf!“ :)

@Natascha_Strobl Das klingt genau wie die Pandemiebewältigung. Sehr realistisch also

@Natascha_Strobl

Es klingt nicht zu sehr nach etwas, es ist genau auf den Punkt gebracht; Adam Tooze in seinem Buch Ökonomie der Zerstörung bringt Zitate von Hitler und da sieht man, dass Hitler in dieser Idee des Überlebenskampfs gefangen war, für ihn war alles eine Verteidigung gegen Feinde und unvermeidlich.

Siehe: Hunger-Plan, die Leute im Osten sollte sterben, dass das Land zur Nutzung frei würde, dazu wurde die "Arbeitskraft" dort gezielt verhungert.

@Natascha_Strobl Was der sog. #Ecofascism und auch die Analyse außen vor lässt, sind - für viele schwer nachvollziehbare - exponentielle Entwicklungen: Wenn weiter kritische #Kipppunkte überschritten werden, verändert sich das Klima so rasant und unaufhaltbar, dass sich auch diese „500 Mio - 1 Mrd.“ nicht mehr werden retten können: #CarlSagan forschte u. A. schon 1960 zum #Treibhauseffekt auf der Venus als Prototyp der #Klimakrise auf der Erde: Auf der Venus hat es über 460 Grad C.

@Natascha_Strobl Ja, "beisst doch die Zähne zusammen!". Da kann man nix machen, dann muss man nix machen - praktisch für alle Politiker!

@Natascha_Strobl für den breiten extemen rand gilt das zweifellos. anna schneider, ulf poschardt usw dürften da aber selbst nicht dazu gehören. wahr ist (und gut dargestellt), dass diese position anschlüsse nach extremrechts schafft. für das schicksal der gesamtgesellschaft wichtiger wird aber sein, wie die wischiwaschi-libertär-rechts-position aussehen wird, die für diese leute den ideologie-fluchtpunkt darstellt.

@Natascha_Strobl es entsteht zum Teil der Eindruck, dass auf dieses Szenario nicht nur die rechte ein Auge geworfen hat. Ich fürchte je schlimmer die Lage wird, desto "annehmbarer" wird es für weitere Teile der Gesellschaft

@Natascha_Strobl
The big Fail!
Mutter Natur wird keine Differenzierung vornehmen.
Denn sie ist die einzige antirassistische Instanz!

@Natascha_Strobl
DAS sollte allen #noafd Wähler*innen klar sein - aber auch denen bei #CDUCSUFDP, die auch ähnlich denken und die #Energiewende weltweit behindern.

@Natascha_Strobl ja, ein teil der natur und in der vergangenheit sogar alles andere als schädigend: youtube.com/watch?v=gVl_em25nD

@Natascha_Strobl
Was es den extremen Rechten auch leicht macht, ist, dass viele bei der momentanen Situation nicht mehr von Klimakrise, sondern von Klimakatastrophe reden. Sage ich durchaus selbstkritisch, habe ich auch schon getan, leider. Wenn das jetzt schon die Katastrophe ist, was kommt denn danach? Die Klimaapokalypse?

Ein anderer Punkt, der es leicht macht, ist mEn die Komplexität der Klimakrise. Anpassung ist schlicht einfacher zu vermitteln.⬇️

@Natascha_Strobl die extreme Rechte hat für nichts ein Konzept aber für alles einen Sündenbock

⬆️ Thread von @Natascha_Strobl über die extreme Rechte und die .
Folge-Empfehlung, insbes. für ihre 'n!

@Natascha_Strobl wenn ahnungen, diffuse gefühle und nicht zu ende gedachtes von dir so klar und präzise ausformuliert werden 😕

@Natascha_Strobl

Die Menschheit wird sich an den #Klimawandel genau so anpassen wie die Dinosaurier an die Folgen des Meteoriteneinschlags.

Die meisten starben aus und die restlichen wurden zu Vögeln.
💚 🌍

@Natascha_Strobl Krass. Danke für den Input! So hab ich das naiverweise noch nicht gesehen. Das ist wirklich… sehr beängstigend, dass man die Klimakrise auf diese Weise instrumentalisieren kann.

@Natascha_Strobl danke für diesen Gedankengang. Mich hat diese „Anpassung“ schon immer komisch berührt, aber das ist wirklich perfide und leider gar nicht weit hergeholt.

@Natascha_Strobl
#Klimakatastrophe
Als ob wir zwischen zwei Optionen auswählen könnten!?

1. Klima retten.
2. Anpassen an das geänderte Klima.

Nein, das sind keine Optionen. Wir müssen beides tun! Wir bestimmen nur, wie hart 2. werden wird.

a. Sehr hart.
b. unvorstellbar hart.
@limb

@Natascha_Strobl Wo siehst du das Problem bei der Anpassung. Sowas geschieht in, geologisch gesehen, recht kurzen Zeiträumen. Ein paar Zehntausend Jahre genügen dafür.

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